Und dann der Regen – TambiÉn la lluvia: cochabamba

DER WASSERKRIEG VON COCHABAMBA

Cochabamba, gelegen auf 2.500 Meter Höhe in den östlichen Anden, ist die viertgrößte Stadt Boliviens, dem trotz seinen einst reichhaltigen Bodenschätzen ärmsten Land Südamerikas. Ende der 90er Jahre verfolgte die Regierung des ehemaligen Militärdiktators Hugo Banzer auch auf Druck der Weltbank und des IWF eine Politik der rigorosen Privatisierung. In Cochabamba betraf das die Wasserversorgung, die an ein Konsortium unter Führung des multinationalen Konzerns Bechtel veräußert wurde. Binnen weniger Monate verteuerte die neue Gesellschaft Aguas de Tunari das Wasser um mehr als 300% – für viele Familien, die mit weniger als 100 Dollar im Monat auskommen mussten, waren die Wasserpreise nicht mehr zu halten.

Massive Proteste der Bevölkerung und die Gründung der Coordinadora – ein breites Bündnis aus den oft dezentral organisierten Gewerkschaften, Stadtteilkomitees, Studenten und der gerade in den Vorjahren erstarkten Bauernorganisationen mit indianischem Hintergrund –waren die Folge. Banzer reagierte auf die Demonstrationen mit massiver Polizeigewalt, die Hunderte von Verletzten forderte. Im April 2000 rief die Coordinadora daraufhin zur Blockade der wichtigsten Straßen und zum Generalstreik auf – Cochabamba war lahmgelegt. Der Einsatz von Polizei und Militär forderte ein erstes Todesopfer, die Revolte drohte, sich aufs ganze Land auszuweiten. Der massive Widerstand der Bevölkerung zwang Aguas de Turani und die bolivianische Regierung schließlich zur Rücknahme der Verträge – die Wasserversorgung Cochabambas ging wieder in die öffentliche Hand über.
2001 verklagte Bechtel den bolivianischen Staat auf 25 Millionen Dollar Schadensersatz: die Argumentation besagte, dass die Preiserhöhungen als Auslöser der Proteste nicht von Aguas de Turani, sondern der lokalen Regierung verfügt worden seien. 2006 zog Bechtel die Klage schließlich zurück.
Der Erfolg des Wasserkriegs von Cochabamba markierte einen wichtigen Einschnitt in der politischen Entwicklung Boliviens – die zunehmende Stärke und Mobilisierungsfähigkeit der Gewerkschaften, der indianischen geprägten Bauernorganisationen und Basisbewegungen kulminierte in der erbitterten Auseinandersetzung um die Verfügung über die reichen Gasvorkommen des Landes. Nach vorgezogenen Neuwahlen am 18. Dezember 2005 endete die jahrzehntelange Vorherrschaft der weißen Oberschicht in Bolivien: Mit 54% der Stimmen wurde Evo Morales als erster Indígena zum Staatspräsidenten eines südamerikanischen Landes gewählt.

Angesichts der Komplexität des Drehbuchs war es sehr wichtig, die persönliche Reise der Figur des Costa zu betonen, seine Entwicklung im Verlauf der Geschichte und seine Beziehung zu Daniel, der Figur, die diese Entwicklung auslöst. Während des Drehs und des Schnitts habe ich immer versucht, im Schnittpunkt der drei Geschichten die Momente zu finden, die Costas Persönlichkeit und seine Veränderung ausdrücken; das war dann manchmal nur ein Blick, ein Moment der Einsamkeit, ein Schweigen. Ich war mir immer bewusst, dass der Konflikt und die Emotion des Films im Aufeinandertreffen dieser beiden Figuren liegen, in der Weise, wie Costa diese ganz andere, ungleich rauere und härtere Wirklichkeit wahrnimmt, in der Daniel lebt.

Ich hatte schon früher mit Ensembles aus professionellen und nicht-professionellen Schauspielern gearbeitet. Jetzt lag die Herausforderung eher in der Größenordnung: Es ging nicht um die Integration von zwei oder drei nicht-professionellen Schauspielern, sondern um zwanzig oder dreißig, von denen einige keine Statisten, sondern echte Protagonisten waren. Die Anstrengung hat sich gelohnt. Wenn die Besetzung so gut ist, wie das bei den bolivianischen Kollegen der Fall war, bekommt das Spiel eine große Wahrhaftigkeit, es wird sehr bewegend und authentisch; um so mehr, wenn Schauspieler wie Luis Tosar, Gael García Bernal oder Karra Elejalde dazukommen, die sich immer in den Dienst der Szene stellen. Die bolivianischen Darsteller haben mich sehr beeindruckt. Der Film wäre nicht halb so lebendig ohne ihr wunderbares Spiel und ihren Enthusiasmus.
Alles in allem, ist UND DANN DER REGEN der komplexeste, komplizierteste Film, den ich bisher gemacht habe, in jedem Sinn. Es war ein Abenteuer, eine große Herausforderung für alle Beteiligten – und es war unglaublich spannend. Wie isst man einen Elefanten? Bissen für Bissen, sagen die Inder. Wie dreht man einen Film mit so vielen Statisten, so vielen Protagonisten, so viel Action, so vielen Handlungssträngen? Einstellung für Einstellung. So bin ich die Arbeit angegangen; jede Szene akribisch planen; jeden einzelnen Statisten aussuchen und anleiten; Satz für Satz mit den Schauspielern durchgehen, die wie Juan Carlos Aduviri noch nie vor der Kamera gestanden hatten; unterstützt von einem bolivianisch-spanischen Team und großartigen Schauspielern.

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